Es gibt diesen Satz, der Peter Drucker zugeschrieben wird: „Innovate or die.“
Die meisten Führungskräfte haben ihn irgendwann in einer Management- oder Leadership-Weiterbildung gehört – und innerlich abgehakt: „Ja, stimmt schon.“
Heute wirkt der Satz anders. Nicht wie ein Spruch aus dem Seminarraum, sondern wie eine nüchterne Beobachtung im Alltag.
Gerade erleben wir mit KI eine Umwälzung, die nicht nur „ein neues Tool“ ist. Sie verändert, wie wir arbeiten, entscheiden, entwickeln, verkaufen, einkaufen, planen. Und sie verändert auch, was Kunden künftig als selbstverständlich erwarten.
Und trotzdem gibt es Unternehmen, die sich verhalten, als hätten sie alle Zeit der Welt.
Die Cash Cow trägt – bis sie es nicht mehr tut
Viele Unternehmen leben gut von einem Geschäft, das seit Jahren läuft. Eine Art Cash Cow.
Und ja: Solange sie läuft, fühlt sich alles stabil an. Das Problem ist nur: Stabilität ist kein Versprechen für morgen.
Dann passiert oft das, was von innen „plötzlich“ wirkt – aber von außen meistens lange sichtbar war:
Ein Wettbewerber taucht auf. Ein Start-up. Ein neuer Player. Manchmal auch ein Branchenfremder. Und der löst ein Kundenproblem einfacher, günstiger oder eleganter – ohne Rücksicht auf unsere bisherigen Produkte, Prozesse oder Glaubenssätze.
Was „echte Innovation“ für mich bedeutet
Innovation heißt für mich nicht (nur): „Unser Produkt ist schneller, schöner, effizienter.“
Das ist wichtig – aber häufig ist es nur eine zeitlich begrenzte Verbesserung im bestehenden Spielfeld.
Echte Innovation beginnt beim Problem des Kunden. Nicht beim Produkt.
Ein kleines Beispiel (bewusst simpel):
Ein Heizungshersteller versucht typischerweise, die nächste Generation Heizungen zu bauen: weniger Verbrauch, leiser, weniger Emissionen, bessere Regelung. Alles sinnvoll.
Das Kundenproblem lautet aber nicht: „Ich will eine effizientere Heizung.“
Das Problem lautet: „Ich will warme Räume – zuverlässig, bezahlbar, komfortabel.“
Wenn du vom Problem her denkst, öffnen sich plötzlich neue Möglichkeiten:
Service-Modelle, Wärmekonzepte, digitale Regelungen, Energie-Partnerschaften, Mietmodelle, Kombinationen aus Hardware + Software + Betrieb.
Man muss das nicht alles gut finden – aber: Vom Problem aus zu denken erweitert den Lösungsraum.
Warum Innovation oft scheitert – obwohl alle dafür sind
Fast jeder sagt: „Innovation ist wichtig.“
Und trotzdem scheitert sie in der Praxis oft nicht an Ideen – sondern an den Voraussetzungen.
Was ich in Projekten regelmässig sehe:
Innovationsarbeit wird „nebenbei“ erwartet. Zwischen Meetings, Budgetrunden, operativen Eskalationen und Kundenproblemen. Das endet fast immer gleich: Das Tagesgeschäft gewinnt. Und zwar jeden Tag. Und wenn es Innovatios-Projekte gibt, dann sind , werden diese–wenn vorhanden- ausschliesslich in der F&E Abteilung geführt.
Damit Innovation überhaupt eine Chance hat, braucht es aus meiner Sicht ein paar sehr konkrete Grundlagen:
1) Ein interdisziplinäres Team – und echte Entlastung
Nicht ein „Projektteam“ auf dem Papier, sondern Menschen aus Entwicklung, Produktion, Einkauf/Supply Chain, Vertrieb/Service, Qualität, ggf. IT/Daten – je nach Kontext.
Wichtig ist die zweite Hälfte: Entlastung vom Tagesgeschäft.
Sonst bleibt Innovation eben Nebensache
2) Verantwortung dort, wo Entscheidungen fallen
Wenn Innovationsprojekte im mittleren Management „geparkt“ werden, ohne Rückendeckung und Entscheidungskraft, wird es zäh.
Innovation braucht Sponsoring auf Top-Level:
klare Priorität, klare Entscheidungspfade, klare Ressourcen.
3) Transparenz ins Unternehmen – aber richtig
Regelmäßige Updates, woran gearbeitet wird, was gelernt wurde, was als nächstes ansteht. Und dabei ausdrücklich die Einladung: „Wer Input hat, meldet sich.“
Wichtig: Das ist kein klassisches Vorschlagswesen.
Es geht nicht um „Ideen abgeben und hoffen“. Es geht um Mitsprache, Feedback und frühe Reibung – bevor Projekte monatelang in die falsche Richtung laufen.
4) Zugriff auf Budget und Möglichkeiten zum schnellen Prototyping
Bei Produktinnovationen ist das schlicht entscheidend:
Wenn das Team ständig um kleine Beträge und Freigaben kämpfen muss oder keinen Zugang zu Fertigung/Test hat, ist das Projekt tot, bevor es läuft.
Schnelle Prototypen sind kein Luxus. Sie sind eine Notwendigkeit und eine Abkürzung im Innovationsprozess.
5) Ein klarer Prozess mit Meilensteinen – nicht als Bürokratie, sondern als Schutz
Ich arbeite gern mit einem schlanken, stufenweisen Vorgehen (z. B. 5 Stufen), das regelmässig überprüft:
- Was haben wir gelernt?
- Was ist die nächste Annahme, die wir testen müssen?
- Sind Zeit/Budget noch sinnvoll investiert?
- Brauchen wir eine Kurskorrektur oder einen Stopp?
Das klingt hart – ist aber genau das, was Teams Sicherheit gibt: Wir laufen nicht blind weiter.
6) Supply Chain und (Test-)Kunden früh einbinden
Viele Probleme entstehen nicht in der Idee, sondern später: Lieferfähigkeit, Kosten, Qualität, Zulassungen, Servicefähigkeit, Akzeptanz.
Frühes Feedback spart Monate. Und manchmal rettet es das Projekt.
„Nicht von aussen!“ – das ist menschlich. Und oft teuer.
Jetzt kommt der Teil, der gern übergangen wird:
Externe Impulse werden gerade bei Innovationen häufig abgelehnt.
Nicht, weil Menschen „böse“ sind – sondern weil es psychologisch nachvollziehbar ist:
„Wir kennen unser Geschäft. Wir machen das selbst.“
Viele kennen das unter dem Stichwort „Not Invented Here“-Syndrom„. Ich begegne dem regelmässig – und ich habe dazu schon einmal ausführlicher geschrieben
→ Link: Not Invented Here Syndrom – warum gute Ideen von aussen oft scheitern
Es kann aus eigener Kraft gelingen. Keine Frage.
Aber wenn ein Unternehmen schneller werden will, wenn es Reibung reduzieren will, wenn es Methoden und Struktur braucht, dann kann Unterstützung von aussen den Unterschied machen:
Nicht als „Besserwisser-Beratung“, sondern als Kombination aus:
- Klarheit im Vorgehen
- Moderation von Entscheidungen
- Methodenkompetenz
- Struktur, damit Teams wirklich vorankommen
- und vor allem: Nutzung des internen Wissens, statt es im Tagesgeschäft zu verlieren
Innovate or die – Ihre Entscheidung
Der Satz ist hart. Aber er ist nicht zynisch.
Er beschreibt, dass „weiter so“ in vielen Märkten keine Strategie mehr ist.
Wenn du willst, können wir das sehr pragmatisch angehen:
In einem unverbindlichen Gespräch klären wir, wo bei euch wirklich Potenzial liegt – im Markt, im Team, im Unternehmen – und was ein sinnvoller nächster Schritt wäre.
Wenn du möchtest, schreib mir eine kurze Nachricht oder buche einen kurzen Austausch.




